Vor Publikum in zwei Sprachen vorzulesen, verlangt Konzentration, Mut und ein gutes Gefühl für Texte. Beim Vorlesewettbewerb Türkisch-Deutsch stellten in diesem Jahr elf Grundschulkinder aus ganz Lippe ihr Können unter Beweis. Seit 2009 bringt der Wettbewerb alle zwei Jahre mehrsprachig aufwachsende Vorleserinnen und Vorleser zusammen. Er wird in Kooperation mit dem Schulamt für den Kreis Lippe durchgeführt und von der Stiftung Für Lippe sowie der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter gefördert. Am Ende setzte sich Melissa Yikilmaz von der Grundschule Knetterheide in Bad Salzuflen mit einer souveränen Leistung durch.
Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen drei und vier hatten sich zuvor in ihren Lerngruppen des Herkunftssprachlichen Unterrichts für den Wettbewerb qualifiziert. Im Finale lasen sie vorbereitete und unbekannte Texte in deutscher und türkischer Sprache vor Jury und Publikum. Bewertet wurden unter anderem Lesetempo, Aussprache, sinngemäße Betonung und die Fähigkeit, die Atmosphäre eines Textes für das Publikum erlebbar zu machen.
Melissa Yikilmaz präsentierte in deutscher Sprache das Märchen „Hans im Glück“ als vorbereiteten Text. Im zweiten Durchgang meisterte sie zudem den unbekannten Text „Helden wie du und ich“ von Nina Weger. Mit 216 Punkten erreichte sie die höchste Punktzahl des Wettbewerbs. Den zweiten Platz belegte Arya Gül von der Grundschule Kampstraße in Lemgo mit 188,5 Punkten. Auf den dritten Platz kam Kerem Solak von der Grundschule am Schloss in Lemgo mit 182,5 Punkten. Als Anerkennung für ihre Leistung erhielten alle teilnehmenden Kinder von der Stiftung Für Lippe einen Gutschein über 100 Euro für die Bücherei ihrer jeweiligen Schule. Die Sparkassen würdigten zusätzlich das Können der drei Erstplatzierten mit Büchergutscheinen für die Buchhandlung Hugendubel in Detmold.
Insgesamt nahmen elf Kinder aus elf verschiedenen Grundschulen teil. Begleitet wurden sie von Eltern, Geschwistern und weiteren Angehörigen, die den Wettbewerb aufmerksam verfolgten und den jungen Vorleserinnen und Vorlesern die Daumen drückten. Die Bewertung übernahm eine fachkundige Jury. Ihr gehörten Olaf Brodziak vom Schulamt, Nihal Yildiz von der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter, Annette Neuhaus von der Stiftung Für Lippe, die Türkisch-Lehrerinnen Sibel Öztürk und Müjde Emre Tarcan sowie die ehemalige Lehrerin Angelika Gräler an. Die Organisation lag bei Dagmar Schultz, Rektorin der Grundschule Rischenau. „Viele Kinder erleben ihre Herkunftssprache vor allem im familiären Alltag. Der Wettbewerb gibt dieser Sprache einen sichtbaren Platz im schulischen Umfeld und zeigt den Kindern: Was ihr mitbringt, zählt“, sagt Dagmar Schultz, die den Wettbewerb seit vielen Jahren organisiert.
Annette Neuhaus von der Stiftung Für Lippe sieht in der mehrsprachigen Leseförderung einen wichtigen Baustein für Bildungsgerechtigkeit: „Wer sicher lesen kann, hat bessere Voraussetzungen für nahezu alle weiteren Lernprozesse. Wenn Kinder diese Sicherheit in mehr als einer Sprache entwickeln, stärkt das nicht nur Wortschatz und Textverständnis, sondern auch Selbstvertrauen und Teilhabe. Das kann für die gesamte Bildungsbiografie prägend sein.“
Eine Neuauflage ist bereits geplant: Der Vorlesewettbewerb Türkisch-Deutsch soll in zwei Jahren erneut stattfinden und jungen Vorleserinnen und Vorlesern wieder die Möglichkeit geben, ihr Talent in beiden Sprachen unter Beweis zu stellen.